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Projektstart „Peer Counseling“ im BGKH

Patienten mit Querschnittlähmung lernen von Betroffenen

Am 1. August 2018 fiel der Startschuss für das „Peer Counseling-Projekt“ im BG Klinikum Hamburg.

Ab sofort können Patienten des Querschnittgelähmten-Zentrums am BG Klinikum auf insgesamt sieben sogenannte „Peers“ im Raum Norddeutschland zugreifen. Dies bedeutet, dass frischverletzte Patienten von Erfahrungen anderer Rollstuhlfahrer lernen können, beraten werden und Tipps für den Alltag bekommen. Zudem sollen die Peers Impulse für eine Neuorientierung geben und Beispiel für eine Zukunftsperspektive sein.

Ziel ist es, mittelfristig u.a. an BG-Querschnittzentren mehrere selbstbetroffene Ansprechpartner zu etablieren, die den Frischverletzten aus ihrer eigenen Erfahrung berichten können. Dabei geht es neben Infos zur Hilfsmittelversorgung, Umbaumaßnahmen im Haus, der Wohnung oder am Auto, Sachfragen zum Sozialrecht auch um alltägliche Fragen wie etwa Partnerschaft, Freizeitgestaltung und viele weitere Themen.

Beim Pressetermin im Hörsaal des BG Klinikum berichteten die Peers David Lebuser, Anette von Laffert, Bert Pein, Edik Harotunijan sowie die Peer-Koordinatorin Anne Patzwald von ihren bisherigen Erfahrungen als Rollstuhlfahrer und ihrer persönlichen Motivation, frischverletzten Menschen mit der Diagnose Querschnittlähmung zur Seite stehen zu wollen. „Als neuer Rollstuhlfahrer ist man nach der „wohlbehüteten“ Zeit in der Rehaklinik oft erstmal unsicher, mit der veränderten Situation zurechtzukommen - Freunde, Familie, Arbeit, Freizeitgestaltung - alles ist plötzlich anders. Viele trauen sich anfangs gar nicht mehr aus dem Haus“, erinnert sich Anne Patzwald an die Zeit nach ihrem Unfall, „ein selbst Betroffener an seiner Seite, der weiß, wie sich all dies anfühlt, hilft da ungemein, wieder in seinen Alltag zu starten und sich „in der Welt da draußen“ zurechtzufinden.“

Peer David Lebuser (31) hat ähnliche Erfahrungen gemacht: „In der kurzen Zeit der Reha nach einem Unfall kann man viel lernen - aber eben nicht alles. Nach meinem damaligen Klinikaufenthalt als junger Mann von 21 Jahren hatte ich viele Fragen, die unbeantwortet blieben. Wie komme ich als Rollstuhlfahrer in Clubs, die nicht barrierefrei sind? Was ist mit dem Thema Sexualität? Wie mache ich  das mit der Darmentleerung, wenn ich unterwegs bin? Wer kann mir bei diesen intimen Themen weiterhelfen? Geholfen haben mir andere Rollstuhlfahrer, die all diese Probleme aus erster Hand kennen - das will ich nun selbst weitergeben."

Damit Betroffene nach der Rehabilitation gar nicht erst in ein emotionales Tief fallen und sich schlimmstenfalls komplett isolieren, hat die Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland e.V. (FGQ) das „Peer-Counseling“-Projekt ins Leben gerufen. Felix Schulte, Geschäftsführer der FGQ betont dabei die Wichtigkeit, frühzeitig an die Patienten und Patientinnen heranzutreten: „Noch während des Klinikaufenthalts wird interessierten Patienten ein von uns geschulter Peer zur Seite gestellt, der bereits in der Rehazeit berät und die Betroffenen dann in der Übergangsphase zurück in den Alltag begleitet,“ so Schulte, und ergänzt: „Natürlich stehen die Peers auch danach noch als Ansprechpartner zur Verfügung, wann immer Fragen auftauchen. Unsere Peers engagieren sich im Übrigen komplett ehrenamtlich und geben damit enorm viel Wissen und Kraft fürs Leben an die Betroffenen weiter.“

Auch Dr. Roland Thietje, Chefarzt des Querschnittgelähmten-Zentrums am BG Klinikum Hamburg (BGKH) weiß um den großen Nutzen des Peer-Programms für seine Patienten: „Zwischen Eintritt einer Querschnittlähmung, Rehaphase und dem Weg zurück in den Alltag liegt bei den betroffenen Personen, ihren Angehörigen und Freunden ein großer Informationsbedarf vor. Mit dem Peers können wir hier im BGKH mit einem der größten Querschnittgelähmten-Zentren in Deutschland diese Informationslücke für unsere Patientinnen und Patienten schließen.“

Über den Sozialdienst der Klinik können die Peers bei Interesse angefordert werden. Für den jeweiligen Patienten „passende“ Peers werden dann von Projekt-Koordinatorin Anne Patzwald ausgewählt und ein zeitnaher Kontakt hergestellt. Neben der BG Unfallklinik in Frankfurt ist das Unfallkrankenhaus in Boberg nun die zweite von neun Akut-Kliniken der Unternehmensgruppe der BG-Kliniken, die das Peer-Projekt als festes Angebot für Querschnitt-Patienten installiert - in der BG Unfallklinik Murnau wird das Projekt ebenfalls noch in diesem Jahr umgesetzt. Langfristiges Ziel der FGQ ist es, das Peer-Projekt in allen BG-Kliniken und weiteren großen Querschnitt-Zentren in Deutschland umzusetzen.

  Kommissarische Leitung

Dr. jur. Hubert Erhard

Unternehmenskommunikation und Marketing

  040 7306-1821   040 7306-2305 h.erhard@bgk-hamburg.de